TEXTS

NZZ Soll & Haben, Text about  IRIS APFEL

Kathrin Eckhardt

Ein Gehstock ist kein Widerspruch zur voluminösen Federboa oder zu Hosen mit wildem Zebramuster. Iris Apfel ist neunzig Jahre jung und zelebriert ihr hohes Alter als Lebensabschnitt voller exzentrischer Energie. Ihr Markenzeichen sind eine übergrosse, runde Brille und eine Unmenge an buntem Stein- und Modeschmuck, den sie um den Hals und die Arme trägt. Iris Apfel mixt Kleider von Lanvin mit tibetischen Ketten und putzt sich selbst so heraus, wie sie es einst als Innendekorateurin mit den Räumen ihrer Kunden tat. Die New Yorkerin scheint eine der wenigen Frauen zu sein, die tragen können, wozu sie Lust haben.

Die ungezwungene Art, sich zu kleiden, gründet in Iris Apfels Kindheit: Die Tochter von Samuel Barrel, dem Inhaber eines Spiegel- und Glasgeschäfts, und einer russischen Mutter, welche eine Modeboutique betrieb, kam früh in Kontakt mit Mode. So erinnert sie sich, wie ihre Mutter ihr manchmal Schleifen im Haar befestigte, die nicht zu ihren Kleidern passten. Damals ärgerte sich Iris Apfel fürchterlich darüber, doch heute scheint ihr das Unpassende passender denn je. International bekannt wurde die Frau mit dem maximalistischen Kleidungsstil im Jahr 2005, als das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art in New York ihr eine eigene Ausstellung widmete. Das Museum zeigte die bunt zusammengewürfelte Garderobe aus antiken chinesischen Kleidern, Haute-Couture-Mänteln aus Vogelfedern oder Schmuck aus der ganzen Welt, welche Iris Apfel ihr ganzes Leben lang gesammelt hat.

Und das Leben der Stilikone war aufregend: Iris Apfel studierte Kunstgeschichte, arbeitete für die Modefachzeitschrift «Women’s Wear Daily» und spezialisierte sich auf Interieur-Design. In den fünfziger Jahren gründete sie mit ihrem Mann Carl Apfel die Stoff-Firma Old World Weavers, welche antike Stoffe aus dem 18. und 19. Jahrhundert reproduzierte. Die beiden feierten damit einige Erfolge und statteten für neun US-Präsidenten das Weisse Haus aus. Auf der Suche nach neuen Ideen bereisten die Apfels Afrika, Asien und den Mittleren Osten. Dort entdeckte die Stoff-Fanatikerin ihre Liebe zu ethnischen Motiven, welche sich auch in ihrem Kleiderstil wiederfinden. Heute berät Iris Apfel internationale Design-Schulen, ist Model und Botschafterin für M.A.C. Cosmetics, verkauft ihre Schmuckkollektion (über Yoox.com) und hat für kommendes Jahr eine Kollektion von Sonnen- und Korrekturbrillen angekündigt. «Wir haben nur ein Leben, und dieses müssen wir geniessen», sagt Iris Apfel. Wer wollte ihr widersprechen?

 

Check my text about the Millennials in the lates issue of traffic – news to go, a Berlin based newspaper

Sehnsucht nach Beständigkeit
Millennials- die Konsumenten der Zukunft

Modehäuser, die auch in Zukunft bestehen wollen, müssen ihre Kunden genau kennen. Die Altbekannten werden gerade abgelöst, denn eine neue Generation ist im Anmarsch und hat ungewohnte Bedürfnisse.

Die Rede ist von den Millennials, denen das Web 2.0 so vertraut ist, wie ihre eigenen vier Wände. Sie sind in den 80er und 90er Jahren geboren, schlafen mit dem Mobiltelefon neben dem Kopfkissen, haben ein aktives Profil auf Facebook und holen sich ihre Informationen online und über Twitter. Ihr Netzwerk ist so gross, wie das keiner Generation zuvor – den virtuellen Möglichkeiten sei Dank. Zudem sind sie Meister der Selbstvermarktung – und inszenierung. Social Media helfen ihnen zu zeigen wer sie sind oder wer sie sein möchten – gepostet wird nur, was zum Selbstbild passt. Und sie sind Konsumenten, die sich ihrer Sache sicher sind, denn die Informationsbeschaffung ist so einfach wie nie zuvor. Bevor sie Geld ausgeben, vergleichen und diskutieren sie virtuell. Zudem sind die Millennials gebildet, nur Jobs finden sie trotzdem keine, denn die Wirtschaftslage ist böse, sehr böse sogar. Die noch junge Generation gewinnt in den nächsten Jahren an Einfluss, aus ihr entwickeln sich die Konsumenten der Zukunft. Und ich bin eine von ihnen.

Wollen etablierte Modelabels weiterhin Erfolg haben, müssen sie unseren Bedürfnissen gerecht werden. Doch was für Produkte möchten die Millennials? Wir sind mit Natur- und Umweltkatastrophen wie Tsunamis oder Fukushima aufgewachsen und haben gelernt, dass der Natur Sorge getragen werden muss. Deshalb setzen wir auf Nachhaltigkeit statt schnellem Konsum. Für den übermässigen Konsum unserer Eltern fühlen wir uns sogar schuldig. Auch Statussymbole verlieren an Reiz, sie werden durch innovative Produkte ersetzt. Zeit Online schreibt: „Millennials glauben an Marken, die ihnen immer wieder neue Ideen präsentieren, eine neue Technologie, ein frischer Blick auf das Jetzt, einen neuen Blick auf morgen“. Zudem wollen wir unterhalten werden, durch ein Produkt mit Geschichte. Das perfekte Kleidungsstück sei wie ein Talisman, sagt die Branchenkennerin Margit J. Mayer. Es begleitet uns in guten wie in schlechten Zeiten. Und natürlich muss die Mode zu unserer Selbstvermarktung passen. Verkauft werden in Zukunft als Produkte die Nachhaltigkeit, Qualität, Unterhaltung und Integrität bieten.

Einige Modelabels machen bereits heute vieles richtig, egal ob sie zum Luxussegment oder zu den erschwinglichen Marken gehören. Bei Hermès stehen die Millennials Schlange, weil sie seit Jahrzehnten unvergleichliche Lederqualitäten bieten und unaufhörlich Geschichten liefern. Prada und Balenciaga gehören laut Trendforscher und Anthropologe Rony Rodrigues zu den „coolen“ Marken, welche die Millennials besonders mögen. Denn sie bleiben stets am Puls der Zeit, sind innovativ und eigenständig. Und Marken wie COS, Maja oder Sandro vermitteln den Käufern das Gefühl, bei einem Insider der Branche einzukaufen. Billigketten, die immer mehr zu noch tieferen Preisen verkaufen wollen, sind den Millennials zuwider.

Der Rest der Modewelt rätselt, wie sie die Aufmerksamkeit der neuen Generation gewinnen kann. Einige versuchen nun selbst zu Millennials zu werden, ihr Denken und Handeln zu übernehmen. Sie schleusen sich auf Facebook und Twitter ein und entwickeln iPhone-Applikationen. Das englische Traditionshaus Burberry ist einer der Vorreiter des Umdenkens. Unter der Leitung des Chef-Designers Christopher Bailey, hat Burberry eine Website ganz nach dem Geschmack der neuen Konsumenten erschaffen.

Zu finden sind auf Burberry.com Musik-Playlists, Kurzfilme und Videos der letzten Burberry-Modeshows. Unter „Art of the trench“ veröffentlichen bekannte Blogger wie Scott Schuman von „The Satorialist“ ihre Street-Style Fotos mit Trench Coats tragenden Menschen. Die User können dort selbst ein Foto von sich mit dem genannten Stück auf die Seite laden und wenn sie auserwählt werden, bekommt ihr Foto ein Platz auf der Plattform. Burberry bietet Online-Unterhaltung, neuste Technologie, die Möglichkeit zur Selbstvermarktung und Geschichten an. Mit der Rubrik „Foundation“ wird auch der Gedanke der Nachhaltigkeit gepflegt. Das englische Traditionshaus bedient alles, was für die Lebensweise der Millennials wichtig zu sein scheint.

Ob wir darauf ansprechen, ist fragwürdig. Sicher ist, was Raf Simons, der belgische Designer des gleichnamigen Labels und von Jil Sander sagte: “Die radikalste Änderung in der Modewelt ist, dass wir uns früher als Elite definierten. Heute hat jeder sofort Zugang zu allen Informationen. Das Erfahrene kann im selben Moment wieder zunichte gemacht werden.“

Millennials klicken von einer Seite zur nächsten, konsumieren eine Unterhaltung nach der anderen und vergessen dabei, was eben erfahren wurde. Im realen Leben verlangen sie deshalb nach Beständigkeit.

So ergeht es auch mir. Es wächst das Verlangen nach Ursprünglichem und Realem  neben dem virtuellen Getöse. Der Charakter der Mode, seine Materialität selbst beinhaltet die Eigenschaft des Beständigen bereits. Die Umstände für die Modehäuser sind also gerade günstig.

 

Portait of Anna Nia, the New Designer at “en soie” for  NZZ Soll & Haben


Alte Werte, junges Blut

Das traditionsreiche Zürcher Seidenlabel En Soie von Monique Meier ist dabei, seine ästhetischen Formeln sanft zu erneuern. Angeführt wird das verjüngte Kreativteam von der Zürcherin Anna Nia.

Kathrin Eckhardt

En Soie ist eine Zürcher Institution, gegründet im vorletzten Jahrhundert. Einst belieferte die Firma unter ihrem damaligen Namen Abraham & Brauchbar die Welt der Haute Couture mit exklusiven Seidenstoffen. Seit 1979 gehört das aparte Geschäft an der Strehlgasse, das längst auch Schmuck, Keramik und Kleider verkauft, Monique Meier, der Ehefrau des Yello-Frontmanns Dieter Meier. Seit sie die künstlerische Leitung des Geschäfts übernahm, ist der Stil des Hauses praktisch derselbe geblieben.

Dieser Stil, der, «obschon als Zeitzeichen erkennbar, kurzatmige Wechsel überdauern und Identität schaffen soll», so das Selbstverständnis von Monique Meier und En Soie, geht auch heute nicht mit dem Mainstream, der auf immer billigere Produktion und schnelleren Vertrieb setzt, sondern bleibt seinen Wurzeln treu. Möglichst viel wird selbst gemacht, hausintern und in der Familie. Die Töchter Anna und Sophie Meier arbeiten ebenfalls im Betrieb. Es existiert kein Online-Shop und auch kein Auslandvertrieb. Produziert wird in Indien und Ungarn. Ist diese Geschäftspolitik rückständig? Oder ist gerade dieses Festhalten am Immergleichen die Erfolgsformel von En Soie?

Von der Bühne ins Atelier

Ein neues, verjüngtes Designteam ist nun dabei, die Formeln, welche En Soie in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt und zu seinem Erkennungsmerkmal gemacht hat, sanft zu erneuern. Angeführt wird die Kreativtruppe von Anna Nia, gerade erst dreissig Jahre jung und Quereinsteigerin in der Modewelt. Seit neun Monaten prägt sie als Leiterin des Designteams die Entwürfe des Zürcher Traditionshauses. Und als solche hat die ausgebildete Schauspielerin, die eigentlich gar nicht hinter die Kulissen gehört, grosse Pläne: En Soie soll neben der bemalten Keramik, dem Schmuck und den bedrucken Foulards auch für höchste Qualität in Sachen Bekleidung einen Ruf bekommen.

Nach der Schauspielschule in London wurde Anna Nia bald klar, dass sie nicht auf die Bühne gehört: Ausser damit, dass sie beim Vorsprechen errötete, hinterliess sie unter den angehenden Bühnenarbeitern keinen bleibenden Eindruck. Ein neuer Plan musste her. Der Schlüssel war bald gefunden: Schon als kleines Mädchen zeichnete Anna Nia am liebsten Kleider – und zwar so oft, dass sie Haushalt- und Toilettenpapier für ihre Entwürfe verwenden musste, weil der Papierverbrauch ihrer Mutter zu viel wurde.

Mit jugendlicher Unbeschwertheit gründete Anna Nia im Jahr 2004 mit einer Freundin das Label Anaïs, «weil der Name so schön klang», so die Designerin. Sie nähte nächtelang in ihrem Atelier an der Hardstrasse, veranstaltete Modeshows in der ehemaligen Dachkantine und verkaufte die Kollektion in kleinen Läden. Eines Tages war abrupt Schluss: Die Freundin, von der Anna Nia einen Gutteil des Schneiderhandwerks lernte, hatte genug. Also konzentrierte sich Anna Nia auf ihren Job beim Schweizer Fernsehen, kümmerte sich um die Ausstattung von TV-Serien wie «Lüthi und Blanc» und war verantwortlich für die Kostüme in Katja Freis Theaterstücken. Die Premiere von «Narzissen», in dessen Kostüme Anna Nia viel Herzblut investiert hatte, sollte schliesslich der Schlüsselmoment zum nächsten Schritt ihrer Karriere werden: Monique Meier, die im Publikum sass, war von den Entwürfen angetan und engagierte die junge Frau.

Klassik neu interpretiert

Und nun wirkt Anna Nia im Atelier von En Soie im Altstadthaus an der Strehlgasse, dessen Stockwerke verschachtelt ineinandergreifen. Der Platz ist begrenzt, die Tische sind voller Entwürfe, Stoffe, alter Modelle und Bilder, die als Inspirationen an einer Pinnwand hängen. Anna Nia ist mit ihren dreissig Jahren die Älteste des Designteams, zu dem überdies auch Anna Meier und Noëlle Wills gehören. Beim Entwerfen sind sich die drei jungen Frauen immer selbst die wichtigste Referenz. «Die Grundfrage lautet: Wie würden wir das Stück tragen?», sagt Anna Nia. Und so bekommt auch die etwas verstaubt wirkende Dupionseide einen neuen Dreh – Tradition trifft auf Moderne, alte Wertvorstellungen treffen auf junges Blut.

Unter der Leitung des neuen Teams soll die Modekollektion von En Soie zwar klassisch und den Ursprüngen treu bleiben, mit verspielten Details aber neu interpretiert werden und so neue Kundinnen ansprechen. Die Stücke sollen weiterhin «ewig halten, aber nicht einfach nur Klassiker sein», wünscht sich Anna Nia. Und so hat der schlichte Blazer aus herbem Harris-Tweed nun ein weiches Seidenfutter mit Punkten. Die klassischen Seidenblusen sind dreifarbig, und auch die Pullover für Männer sind neu in ungewohnten Farbkombinationen erhältlich. Nun wird das Neue in den Laden gehängt und darauf gewartet, dass die junge Saat spriesst.

www.ensoie.com

 

I worked with Annabelle as a fashion editor in summer 2010 and was responsible for the fashion news and the trend issue for winter 2010

Trend issue Annabelle Summer 2010

 

 

EARLY SIXTIES
«It’s all about boobs» schrieb das «New York Magazine» über die diesjährige Prada-Show. Ein tiefer, gut gefüllter Ausschnitt und runde Hü en – was das Strassenbild längst prägt, konnte die Modewelt diese Saison nicht mehr länger ignorieren. So sah man bei Louis Vuitton wohlgeformte Models der alten Garde: Laeticia Casta erö nete das Herbst/Winter-Defi lee, gefolgt von Elle Macpherson. Und was werden die wiederentdeckten Frauen mit Kurven tragen? Schnitte aus den Sechzigern, wie sie in der mehrfach preisgekrönten US-TV-Serie «Mad Men» zu sehen sind und die nicht nur bei Männern für wohlwollendes Aufsehen sorgen. Schliesslich ist es das Privileg der Frau, mit ihren Reizen zu verführen, nur fehlte dazu lange der Trend. Marken wie Marni, Fendi oder Prada erlauben es nun endlich wieder, sich so unbeschreiblich weiblich zu fühlen wie einst Marilyn Monroe und Monica Vitti.

 

SEVENTIES
Federgilets, voluminöse Felljacken, ultrakurze Minis, Overknees und Leopardenmuster bestimmten den Look der Siebziger. Es war die Zeit der Groupies, der Rockstarfrauen und ihren immer mal wieder aktuellen Ex-Männern. Provokation war Lifestyle, freie Liebe comme il faut und «Let’s Party» das Lebens motto. Auch in der Mode galt ein radikal freiheitliches Miteinander aller Materialien und Muster, Fashion war Fun und dur e alles sein – romantisch, sexy, disco – nur eines nicht: konventionell. Diese Saison mixen Labels wie Gucci, Salvatore Ferragamo, Roberto Cavalli oder Balmain erneut hemmungslos Muster- und Materialien, um zumindest in der Mode das Gefühl unbegrenzter Freiheit wieder aufl eben zu lassen.

 

I was responsible to write the “Menschen” Column for NZZ am Sonntag in a periode of one year , I portryed 23  public figures – These are some of my favourites

«Weil es meiner Frau gefällt»
Gilbert Gress hat sein Leben dem Fussball und seiner Frisur verschrieben. Die Kombination zahlt sich aus

Kathrin Eckhardt
Eigentlich ist Gilbert Gress Fussballexperte. Er kommentiert, kritisiert und fachsimpelt meist im Schweizer Fernsehen. Deshalb ist er dieseWoche auch in Zürich. Die Champions League ist in vollem Gange. Und Gilbert Gress mittendrin, ja, Fussball ist sein Leben. Doch noch etwas ist fast so wichtig wie Fussball, sein Äusseres, besonders seine Haare. Die Avantgardisten meinen, sein tiefer Scheitel im weissen Haar und die goldene Pilotenbrille seien veraltet, seine Fans aber wissen: Er ist Kultfigur und Stil-Ikone. Und daraus schlägt er nun, auf so sympathische Weise wie kaum einer, Kapital. Gerade sieht man ihn und mehrfach geklonte Formen von Gress in der Werbung von «Totogoal», einem neuen Gewinnspiel. Im Werbefilm lächelt er der Bäckerin, dem Friseur und dem Strassenwischer zu, alle mit weissen Haaren und goldener Brille, so, wie sie Gress trägt. Der Slogan der Totogoal-Werbung heisst: «Jeder ein Fussballexperte». Und zum Schluss des Clips streicht Gress sich von links nach rechts die Haare aus der Stirn, wie er es schon seit über fünfzig Jahren macht. Denn seit er 13 Jahre alt ist, trägt er die Haare lang. Sie wurden zu seinem Markenzeichen. Dafür hat er sogar 1966 die Weltmeisterschaft in England sausen lassen, denn schneiden wollte er sie nicht einmal dafür. Gewisse Dinge ändern sich nie, heute liebt er sein Mähne noch wie damals, auch wenn sie etwas weniger und weiss geworden ist. Immer dabei: seine blaue, runde Bürste, die so häufig gebraucht wird, dass sie langsam die einzelnen Borsten verliert. Zum Friseur geht er in Strassburg, ein komplizierter Kunde sei er nicht: «Wenn ich zum Friseur gehe, macht er alles, nur das Letzte, hier vorne, mache ich selbst», und nun zeigt er vor, wie die berühmte Gress-Frisur ihren letzten Schliff bekommt. Er fährt mit seiner Hand wieder von links nach rechts, diesmal mit der blauen Bürste, wirft einen Blick in die Fensterfront des Fernsehstudios, um sicher zu sein, dass auch dieses Mal alles sitzt. Eitel, Herr Gress? «So eitel bin ich auch wieder nicht, ich brauche ja keine zwei Stunden, sondern fünf Sekunden», sagt der Fussballexperte mit dem unverwechselbaren accent. Und warum dieser Kult um das Haar? «Weil es meiner Frau gefällt», und ihm auch, fügt er an. Seine Frau ist bei ästhetischen Entscheiden immer dabei, schon seit 44 Jahren, so lange sind die beiden verheiratet. Auch bei der Wahl seiner Brille stand sie ihm bei. Es ist ein exklusives Modell, von Cartier aus Zürich. Sein Äusseres wollte er noch nie verändern, «warum auch?» Gress bringt einen zum Lachen und lacht gerne über sich selber. Er spricht fast zwanzig Minuten über seine Frisur, zu oberflächlich ist ihm das nicht. Doch eins will er gesagt haben: «Im Leben gibt es Wichtigeres als Frisur und Brille, darüber darf man
sich auch nicht zu lange Gedanken machen.» Er muss es ja wissen. Trotz dem Haarkult vergisst er nicht, das Gewinnspiel Totogoal anzupreisen. Die Werbefigur Gress sagt: «Wenn wir zusammen spielen und gewinnen würden, könnten wir gemeinsam reisen gehen, wäre das nicht toll?» Natürlich mit getrennten Zimmern, fügt er hinzu. Gerne, Herr Gress, mit ihnen kommen wir überallhin mit.

 

German actress Julia Jentsch well known from “Sohpie Scholl – die letzten Tage”

«Ich ähnle keiner Figur» Auf Kinoleinwänden und im Theater ist Julia Jentsch zurzeit kaum zu übersehen. Auf der Strasse hingegen schon

Kathrin Eckhardt
Julia Jentsch ist in einen dicken Mantel gehüllt. Sie ist klein, und der Mantel lässt ihre Gestalt fast ganz verschwinden. Sie kommt nicht alleine, wird fürsorglich vom Pressebetreuer ins Restaurant begleitet, das gleich nebendem Zürcher Schauspielhaus steht. Jentsch ist 31 Jahre alt, so wirkt sie nicht. Sie scheint viel jünger zu sein. Auf der Strasse erkenne man sie kaum, und das sei ihr gerade recht. Denn Jentsch mag es nicht, über den roten Teppich zu laufen, im Blitzgewitter der Berlinale zu stehen oder in die Kamera für «Promi-Journale» zu lachen. «Diese Art Pressearbeit war gewöhnungsbedürftig», sagt sie. Zurückhaltend sind ihre Filmrollen nicht. Sie sind oft laut, rebellisch und stark. So auch die Figur, die Jentsch berühmt machte, Sophie Scholl. Die Rolle brachte die junge Schauspielerin bis an die Oscar-Verleihung, und zu Hause hat sie von der Berlinale einen silbernen Bären stehen. Zurzeit spielt Jentsch im Schauspielhaus Zürich «Major Barbara», und die Verfilmung des Romans «Effi Briest» ist ab Donnerstag im Kino zu sehen. Über ihre Rollen zu sprechen, macht der Berlinerin keine Mühe, von sich selbst zu erzählen, hingegen schon. Theodor Fontanes Roman «Effi Briest» kennt Jentsch aus der Schulzeit. Die Schauspielerin mochte den Roman damals schon. Er war für sie keine Pflichtlektüre wie so manche andere Zeilen, die sie zu lesen hatte. Effi sei «widersprüchlich und facettenreich», sagt sie. Und wie ist Julia Jentsch? Stille herrscht, fast sieben Sekunden, und das ist eine lange Zeit, sitzt man sich zu zweit gegenüber ohne ein einziges Geräusch, ohne situationsrettenden Pressebetreuer, der längst wieder gegangen ist. «Du weisst selber, wie schwierig es ist, sich zu beschreiben», sagt sie schliesslich. Jentsch wohnt in München, ist aber selten dort. Denn meistens ist sie am Filmedrehen oder am Theaterstückeproben. Wenn Jentsch einmal nichts zu tun hat, «bin ich auch gerne ganz für mich», denn in diesem Beruf sei man ständig unter Leuten. Die Dreharbeiten lassen kaum Raum für anderes als die Schauspielerei. Jentsch braucht dann ihre ganze Energie für ihre Rolle. «Es dreht sich alles um den Film und die Figur, manchmal weiss man nicht mehr weiter, dann quält man sich», auch emotional sei sie eingebunden. Ist der Film abgedreht, folge eine Phase der Orientierungslosigkeit. Plötzlich warte kein Fahrer um fünf Uhr morgens vor der Tür, es gebe keinen geregelten Tagesablauf und keine mehrstündige Maske mehr. Jentsch löffelt ihren Cappuccino, sie ist fast ungeschminkt. Aber auch wenn das bisschenWimperntusche ganz weg wäre, könnte man Julia Jentsch nicht näher kennenlernen. Und dafür habe sie gute Gründe: «In diesem Beruf gibt man schon genug von sich preis, mit dem eigenen Körper, der eigenen Sprache und dem Aussehen. Davon zeigt man in jeder Rolle unterschiedlich viel.» Und so bleibt sie ausserhalb ihrer Rollen für das Publikum unbekannt. Oder ist sie ein Mix aus all ihren Figuren, ein bisschen Effi, ein bisschen Sophie oder ein bisschen Barbara? «Ich ähnle keiner Figur, die ich schon gespielt habe», sagt sie. Sie muss gehen, zum «Feldenkrais», dass soll ihr helfen, sich zu entspannen.

 

Banjamin Lebert, young German writer and author of “crazy”

Benjamin Lebert, seit dem Buch «Crazy» Liebling von Publikum und Feuilleton, ist mit seinem neuenWerk auf Lesereise

Kathrin Eckhardt
Da steht Benjamin Lebert, klein im hohen Gang des Kindli-Hotels. Er scheint etwas verloren zu sein in seinem schwarzen Anzug, obwohl der Anzug perfekt passt. Benjamin Lebert ist feingliedrig und leise, man möchte ihn sofort beschützen, hat Angst, ihn mit Worten und Energie zu erdrücken. Zürich ist eine Station auf seiner Lesereise. Er stellt sein neuestes Buch «Flug der Pelikane» vor. Wie so viele Autoren mag auch er Lesereisen eigentlich nicht, denn immer dann, sagt er, «schlägt mein Herz schneller als sonst, und ich komme nicht zur Ruhe». «Flug der Pelikane» ist bereits sein viertes Buch. Das erste schrieb er mit 16 Jahren und war ein Grosserfolg. «Crazy» wurde in 30 Sprachen übersetzt und diente als Vorlage für einen Film. Auch für sein neustes Werk erhält Lebert in den deutschen Feuilletons derzeit wieder viel Applaus. Es ist zu lesen, dass «der Jungautor erwachsen geworden ist». Ein Zustand, den Lebert eigentlich lieber anderen überlassen würde. «Erwachsensein hat für mich etwas mit reif sein zu tun, als würde man gleich vom Baum fallen.» Lebert will nur eins: schreiben. «Am Anfang eines neuen Buches steht ein Gefühl», erzählt er. Diesmal war es der Zustand des Gefangenseins. Schon als Kind fühlt er sich von Gefängnissen angezogen. Mit neun Jahren war er mit seinen Eltern auf Alcatraz, der Insel in der San Francisco Bay, die einst ein riesiges Gefängnis war. Heute ist es eine Touristenattraktion. Die Erinnerungen an die Insel haben ihn bis heute nicht losgelassen, und er sagt: «Ich habe meine Augen weit aufgerissen, und die Fingerspitzen haben angefangen zu zittern, als ich da war.» Lebert versucht, die eigenartige Faszination zu erklären. Er streicht den Zeigfinger und Daumen über das weisse Baumwolltischtuch – beste Qualität im Restaurant Kindli, schliesst die Augen, als wolle er sich ganz besonders konzentrieren: «Menschen oder auch ich, wir fühlen uns alle gefangen, wir gehen immer mit unseren kleinen Gefängnissen umher.» Und das ist nur der Anfang seiner Idee. Er glaubt, das Gefangensein hindere den Menschen daran, zu werden, was er wirklich sein wolle. Es sei nicht nur negativ, im Gegenteil, das Gefühl sei notwendig, damit wir Dinge über uns selbst in Erfahrung bringen können. Und zum Schluss solle, «auch wenn das jetzt etwas abgedroschen klingt, der Mensch aus dem Kokon schlüpfen, «wie die Schmetterlinge». Und wie sehen seine Gitterstäbe aus? «Ich fürchte mich vor zu viel Intensität », sagt er. Vielleicht erklärt das sein schieres Verschwinden? Lebert fühlt sich manchmal so, als sei er in einem Raum mit vielen Fenstern, die durch denWind ständig aufgeschlagen werden und die er zu schliessen oder reparieren hat, wenn sie in die Brüche gegangen sind. Seine Bücher aber schrecken vor Intensität nicht zurück. «Wo Gefangenschaft herrscht, da sind auch Fluchtgedanken», sagt Lebert. Psychologen behaupten, sie seien lebensnotwendig. «Das Herumspinnen ‹Was wäre gewesen, wenn?› sind notwendige Gedanken, und wenn die schwinden, dann schwindet auch unser Lebenswille.» Auch Lebert hat einen Plan B, wenn er vom Schreiben doch noch flüchten möchte: «Ich glaube, ich wäre ein guter Gärtner.» Benjamin Lebert über . . . Jungautor: «Ich glaube, der wird nicht als ganz voll genommen, dasWort hat etwas von Jungspund. Aber das istmir eigentlich ganz sympathisch, ich möchte nicht für voll genommen werden.» Erwachsen sein in der Literatur: «Das bedeutet dann wahrscheinlich, vom Feuilleton ernst genommen zu werden, aber darauf kann ich verzichten.» Schreiballtag: «Das Schreiben hat für mich sehr viel mit Warten zu tun. Das braucht eine ungeheure Kondition. Ich setze mich nicht jeden Tag hin, nur dann, wenn es sich aufdrängt.»

 

Another text example for NZZ am Sonntag/Gesellschaft

 

Während der Ferien ein bisschen die Welt retten Jugendliche suchen nach Sinn und pflücken Kaffeebohnen in Ecuador. Auch Kuoni ist auf den Trend aufgesprungen.

Von Kathrin Eckhardt
Nora Haselbach wird kommenden Dienstag schon im Flugzeug Richtung Süden sitzen. Die 19-jährige Gymnasiastin macht ein Zwischenjahr und will die Zeit nutzen, um ein bisschen die Welt zu retten. «Seit ich ein kleines Mädchen war, habe ich mich für die Probleme der Welt interessiert», sagt Nora. Das war auch ihre Motivation, um am Auswahlverfahren der Mike- Horn-Expedition teilzunehmen. Der Extremsportler will in vier Jahren 100 000 Kilometer zurücklegen, junge Abenteurer können ihn auf seiner «Umweltmission», wie Horn sie nennt, ein Stück begleiten. Nora darf mit und sagt: «Ich möchte sehen, was mit dem Eis in der Antarktis geschieht, um dann andere darüber aufzuklären.» Nora ist mit ihrem Tatendrang längst nicht allein. Helfen gilt als «cool» und wird zur beliebten Ferienaktivität. Neu ist Kuoni, einer der Riesen in der Reisebranche Europas, auf den «Weltverbesserer-Trend» aufgesprungen. Im Paket «Ananea» bietet Kuoni alles für das Reisen mit reinem Gewissen an. Neben aufklärerischen Rundreisen und dem Besuch ökologisch geführter Hotels sind ab Ende Oktober auch mehrwöchige Aufenthalte als Volontäre in Afrika möglich. Dass das Bedürfnis, Gutes zu tun, mehr und mehr wächst, weiss auch
«Intermundo». Der Dachverband betreu zehn Organisationen in der Schweiz, die Sozialeinsätze während der Schulferien anbieten. Jährlich fliegen Hunderte von Helfern auf Zeit ins Ausland, die meisten buchen Kurzeinsätze von wenigen Wochen. ElefanteninBotswana Kuoni und Intermundo sind längst nicht die Einzigen. So kann man in Thailand Schulkinder in Englisch unterrichten, in Russland darf man mit Waisenkindern spielen, und in Malaysia können Flüsse gereinigt und Hauswände neu bemalt werden. Wer sind die neuen Helfer, die ihre Ferien selbstlos opfern? «Hauptsächlich sind es Frauen», erklärt Mirjam Zbinden von der Hilfsorganisation Service Civil International (SCI), fast 70 Prozent. Die Freiwilligen sind zwischen 18 und 30 Jahre alt und oft Studenten: Es ist die Jugend der Klima- Prediger. Für sie sind der CO2-Ausstoss, Überschwemmungen und Öl- Knappheit nicht mehr nur leere Worte, sondern ein Aufruf, aktiv zu werden. Doch sie unterscheidet sich vom alten Öko-Mief der Linksalternativen aus den achtziger Jahren. Statt beige Leinenhemden kaufen sie sich bunte Kleider des Öko-Labels American Apparel und ein schickes Hybrid-Auto. Auch Nora gehört zur neuen Helfer-Jugend und sagt: «Wenn wir jetzt etwas tun, können wir die Situation verändern.» Bauern auf Zeit Um etwas zu verändern, gehen die Freiwilligen oft allein in dieWelt, doch einsam bleiben sie nicht lange. Mit offenen Hemden, zerzausten Haaren und braungebrannt, pflücken Volontäre Kaffeebohnen in Ecuador. Beiläufig werfen sich die «Bauern auf Zeit» schwärmerische Blicke zu und hoffen, beim abendlichen Nachtessen dem Angebeteten etwas näher zu kommen. Es ist fast wie damals in den Sprachschulen. Heute aber arbeitet man für die Welt statt für seine eigenen Spanischkenntnisse. Auch wenn die Ferien einer guten Sache dienen, gratis sind sie nicht. Die Kosten belaufen sich auf bis mehrere tausend Franken. Bei Kuoni kostet ein zweiwöchiger Aufenthalt in Botswana, dessen Ziel darin besteht, die Bewegungen der Elefanten mittels eines GPS aufzuzeichnen, 3590 Franken. Die Flugkosten sind im Preis nicht inbegriffen, und übernachtet wird im Zelt. Ob der Einsatz tatsächlich anderen hilft oder am meisten den Helfern selbst, ist fraglich. Der Schweizer Klima- Autor Marcel Hänggi, der eben sein neues Buch «Wir Schwätzer im Treibhaus» veröffentlichte, findet allein den Flug für die Hilfsaktionen inakzeptabel. Die Sozialarbeiter machen sich Sorgen um die Waisenkinder, die ständig neue Bezugspersonen erhalten, und die Pädagogen fragen sich, ob das Englisch den Schulkindern nützt. Für Mirjam Zbinden vom SCI ist klar: «Das Work-Camp bringt dem Freiwilligen oft mehr als der Welt. Die Veränderung geschieht hauptsächlich in den Köpfen der Helfer.» Zudem könne man in zwei Wochen keine grossen gesellschaftlichen Umbrüche herbeiführen, sagt Zbinden. Nora erzählt, worauf sie sich am meisten freut: «In erster Linie geht es um das Abenteuer, ich war noch nie in der Antarktis.»

 

A text about another fashion trend i loved to write for NZZ am Sonntag/Stil

Grobes geschütz für feine Nasen

Früher war die XL-Brille etwas für Streber und Sonderlinge, heute wird sie vorzugsweise von jungen Frauen getragen

«Nerds» sind Langweiler, Besserwisser und Aussenseiter. Die Gattung der Brillenschlangen, deren Gläser gross wie Fensterscheiben sind, verbringt ihren Tag am liebsten vor dem Rechner und programmiert bis spät in die Nacht hinein. Einer von diesen Nerds war Steve Urkel, eine Figur aus der amerikanischen Sitcom «Family Matters», die in den neunziger Jahren populär war. Urkel trug in dieser Rolle Hosenträger, an denen zu kurze Jeans befestigt und bis zur Taille hochgezogen wurden, und eine Brille, die so gross war, dass sie sein halbes Gesicht bedeckte. Steve war ein Versager, bis ihn eine selbstentwickelte Verwandlungsmaschine vom Verlierertyp in einen Traummann verwandelte. Dabei verschwand auch seine XL-Brille, und Steve war plötzlich sehr attraktiv. Heute müsste Steve Urkel keine solche Maschine mehr bauen – schon gar nicht, wenn er eine Frau wäre. Denn jetzt ist das Erscheinungsbild der Nerds und lichtscheuen Stubenhocker bei jungen Frauen plötzlich sehr angesagt. Sie tragen allesamt plötzlich übergrosse Brillen, von denen man früher gesagt hätte, dass sie jedes noch so schöne Gesicht entstellen. Modeund Kunststudentinnen – und vermehrt auch die kaufmännischen Lehrtöchter oder Jus-Studentinnen – tragen das Modell, das ihnen etwas von «ugly Betty» verleiht, einem weiteren Serienstar aus Amerika, der eine wuchtige Zahnspange  und eine dicke Brille trug. Betty hatte den Traum, im Modebusiness gross rauszukommen. Sie galt als hässliches Entlein, das zum Schwan werden wollte. Doch heute gilt das umgekehrte Prinzip: Die schönen jungen Frauen wollen wieder das Entlein sein. Ein bisschen zumindest. Und tragen in Scharen die wuchtigen Krankenkassen-Gestelle. Blogs und Promis gaben Schub Was hat die einst lächerlich grosse und schwere Brille plötzlich wieder salonfähig gemacht? Zuerst waren es Trendsetter wie Stylistinnen, It-Girls und Moderedaktorinnen, die zum groben Geschütz griffen, um ihrem Look einen bewussten Dreh ins Absurde zu geben. Die Bilderdieser Stilvorbilder, über Internet-Blogs und Celebrity-Postillen wie «In Style» oder «Gala» multipliziert, inspirierten andere junge Frauen. Superstars wie Scarlett Johansson und Cate Blanchett, die plötzlich mit grossen Nerd-Brillen posierten, gaben dem Trend weiteren Schub. In den USA war auch Ally Hilfiger, die Tochter des berühmten Modedesigners, in aller Munde. Und sogar Rihanna, die derzeit wohl populärste R&B-Diva, ist zeitweise mit einer fetten Oversize-Brille zu sehen. Nun ist das Phänomen auch in der Schweiz unübersehbar geworden. Der Zürcher Optiker Roger Burri sagt: «Noch vor zwei Jahren kauften nur absolute Trendsetter solche Brillenmodelle, doch heute sind es junge, gutaussehende und modebewusste Frauen zwischen 20 und 25 Jahren, die in den beliebtesten Quartieren Zürichs wohnen.» Entsprechend ist das Angebot  gewachsen: Neben «Urgesteinen» wie Oliver Peoples oder Cutler & Gross produzieren nun auch Marken wie Dita, Paul Smith oder Claire Goldsmith die angesagten XL-Brillen. Provokativ und eitel Doch nicht jeder Frau steht die Nerd-Brille auch gut. Am besten passt sie zu einem jungen, eher schmalen Gesicht. «Es ist auffallend, wie viele schöne Frauen solche Brillen kaufen», sagt Roger Burri. Doch warum tun sie das? Der Optiker hat – aufgrund seiner ausführlichen «Feldstudien » – dazu eine These: «Eine XL-Brille  sagt: ‹Hey, ich bin dabei, ich kann das tragen!›» Eine Frau, die ein solches Gestell trage, wisse um ihre Wirkung und um den Umstand, dass sie es sich leisten könne, ganz egal, wie gross oder «hässlich» die Brille sein möge. Die XL-Brille ist also ein bewusstes Anti- Statement zum Gefühl, immer sexy, attraktiv und makellos sein zu müssen. Daneben zeugt sie, eben weil sie so «gute Gene» erfordert, aber auch von einiger Eitelkeit. Kathrin Eckhardt

 

I love writing funny lists about our society, published at NZZ am Sonntag/Gesellschaft

 

If you would like to read it, please contact me… i’ll send you the PDF’s

 

I met Milla Jovovich for hopehope.ch, here comes the portrait

Action vs. Girlie Girl


Milla Jovovich steht für Action, Wunderkräfte und ausserirdische Sprechcodes. Sie wirbelt durch die Lüfte und schiesst ihren Feinden das Hirn aus dem Kopf. Milla ist stark und wild, wie die Wellen des Ozeans, wenn sie an die Klippen schlagen oder ein Hurrikan, der Häuser in die Luft fliegen lässt. Auch Campari sprang für den Kalender 2012 auf das bestehende Image der Draufgängerin auf. „It’s the end of the world, baby!“ heisst der Titel des diesjährigen Kalenders, der vom französischen Fotografen Dimitri Daniloff realisiert wurde. Die Bilder sind höchst inszeniert, künstlich und manipuliert, so wie es Daniloff auf seinen Fotos mag. So wie man die Szenen auf Mutter Erde niemals antreffen würde. Die Thematik des Kalenders ist das Jahr 2012 als Wendepunkt unser aller Leben. Der Mayakalender geht dann zu Ende und unzählige weitere Kulturen prophezeien uns genau das: the end of the world. Doch möchte Campari keine ganz so düstere Zukunft voraussagen, das Kalenderthema soll PR-tauglich: „the beginning of something better“, sein. Und die Heldin darin, die Botschafterin des Guten, ist Milla Jovovich. Milla verkörpert die Wunderfrau die einmal zur Welle, zum Vulkan oder der Göttin einer Wüstenlandschaft wird. Milla das Mädchen, das bereits mit 16 Jahren den berühmten Regisseur Luc Besson heiratete, das Mädchen, das mit elf Jahren von Richard Avedon als Model entdeckt wurde und schon führ, vielleicht allzu früh, in die Welt des Showbiz, der Mode und der Filmindustrie eintrat.

Aber wer ist diese Frau Jovovich? Ist sie wirklich stark wie ein Hurrikan und unbesiegbar wie ein Tsunami?

Wir sitzen am Roundtable der Bloggerrunde in Mailand. Milla betritt den Saal im Four Seasons Hotel, die Fotoapparate werden gezückt, das Blitzlichtgewitter beginnt. Das Gesicht von Milla verwandelt sich in eine perfekte Maske, die stets lächelt, stets freundlich kuckt. Die rechte Schulter hat sie etwas nach vorne gedreht, sie schaut in die Kameras, nimmt eine gerade Haltung ein. Milla Jovovich parkiert ihre Prada Handtasche auf dem Tisch, so dass auch diese unverkennbar ihren Platz auf den Bildern findet. Sie weiss, wie sie sich in solchen Momenten zu verhalten hat. Die Schauspielerin ist die perfekte Projektionsfläche für eine Superheldin. Und seriös wie ein Dr. Professor Solala beantwortet sie die vielen Fragen.

Je länger man ihr zuhört, je länger man ihr perfektes Gesicht studiert, wird einem klar; she’s just a girl. Milla mag am liebsten Campari Orange: „I like sweet drinks“, und ihr Lieblingsbuch ist das neue Buch des Designers Pucci. Das Model ist ganz in Prada gekleidet und bewundert Miucca Prada: „she’s so inspiring and such a strong women“. Schliesslich: „I am a girlie girl“, gibt Milla offen zu. Ihr liebstes Bild im Kalender ist die Welle, vielleicht weil dort so viel edler Stoff verarbeitet wurde (40 feets), wie sonst auf keinem anderen Bild.

Befragt man Milla Jovovich zur Mode, glaubt man ein ehrliches Strahlen in ihren Augen zu erkennen. Sie erzählt, dass sie all ihre Kleider für ihre Tochter aufbewahrt und die Kleider des Ehemanns zu ihren eigenen Gunsten im Schrank etwas zur Seite stösst. Sie sammelt antike, alte Kleider, liebt Stoffe und Muster. „I never get enough of fashion and cloths“, sagt sie. Und Milla bedauert, dass ihre Grossmutter alle Kleider der Mutter weggeworfen hat, die sie in Russland noch eigenhändig herstellte, inspiriert von den grossen Modezeitschriften aus dem Ausland.

Wer Milla Jovovich wirklich ist, weiss vielleicht nicht einmal sie selbst. Sicher ist, dass Superheldinnen nur auf der Leinwand existieren und Tsunamis nur im Campari Kalender unbedrohlich sind.

Milla Jovovich ist auch nur ein Mädchen, das Kleider liebt und über alles ihre Tochter. Und manchmal hat sie das Privileg unbesiegbar zu sein.

 

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Marisa Pichler träumte bereits als Kind davon, in einer pulsierenden Stadt zu leben, um Menschen und ihr Tun zu beobachten und selbst aktiv an der Gesellschaft mitzuwirken. Und so sollte es sein. Seit dem Vorkurs an der Schule für Gestaltung wandte Marisa Pichler ihre Aufmerksamkeit stets der kreativen Seite der Welt zu und bewirkte damit einiges. In Basel schloss sie 2006 den Studiengang als Dipl. Interaktionsleiterin FH ab, darin befasste sie sich hauptsächlich mit Projekten zu Fashion & Technology sowie Trendforschung im Lifestylebereich. Während und nach dem Studium arbeitete Marisa Pichler als freischaffende Stylistin und gründete 2007 den Blog Hopehope Fashion & Tendencies. Daneben realisierte sie Laden- und Designkonzepte und publizierte als Weiterentwicklung des Blogs die ersten elektronischen Hopehope Magazines. In den vergangenen Jahren gewann Marisa Pichler durch ihre Arbeit wertvolles Fachwissen im Bereich Mode und Lifestyle. Das besondere an ihrer Kompetenz liegt darin, Stil- und Designaffinität mit Fachwissen im Bereich Prozessgestaltung und neuen Medien zu verbinden.